Haben es Kinder aus Suchtfamilien schwerer?

Aktualisiert: Sept 7

Ist es wahr, dass es Kinder aus Suchtfamilien erheblich schwerer in ihrem Leben haben? Mit welchen Schwierigkeiten müssen diese Kinder rechnen? Werden sie ebenfalls süchtig?

Welche Rollen nehmen diese Kinder ein, um sich zu schützen?

Sarah, 6 Jahre und Paul, 9 Jahre alt erzählen aus ihrer Sicht, was es so schwer macht, in einer Suchtfamilie aufzuwachsen!

Wie fühlt sich eine normale Kindheit an?

Sarah weiß es nicht, denn sie wächst, zusammen mit ihrem Bruder Paul in einer Suchtfamilie auf. Heute sagt man dazu „Dysfunktionales Familiensystem“. Sarah würde dieser Ausdruck missfallen, denn er beschreibt nicht im Ansatz die Wirklichkeit von ihrem Leben.

Der Tagesablauf, durchtränkt von Angst und Schmerz. Eine Mutter die nur noch traurige Blicke wirft. Sarah glaubt manchmal, sie sei schuld an dem ganzen Dilemma.

Das Papa sich manchmal so komisch verhält, doch dies redet ihr Paul jedes Mal aus. Und Paul ist ihr größerer Bruder, er weiß mehr und hat „fast“ immer Recht. Wenn Paul nicht recht hat, behält Sarah dies für sich, denn Paul hält ihre Gespräche mit den Bäumen und ihren Tieren für Humbug, Blödsinn… Sarah sieht dies anders.

Sarah wird bald 7 Jahre alt und sie ist ein ausgesprochen hübsches Mädchen, ein bisschen ruhig für ihr Alter und zu Zeiten sehr in sich gekehrt. Ein sehr braves Kind halt, sagt die Nachbarin von Gegenüber.

Wenn sich Mama und Papa streiten, und das passiert leider sehr oft in letzter Zeit, zieht sich Sarah zurück in ihre eigene kleine Welt.

In dieser anderen Welt ist alles noch in Ordnung. Sarahs Papa ist groß und stark und beschützt sie liebevoll. Mama kann zu Hause bleiben, denn Papa bringt viele Geschenke mit nach Hause. Das wichtigste jedoch, Papa und Mama haben sich ganz dolle lieb.

Paul macht sich um ganz andere Dinge Sorgen. Er wünscht sich, dass seine Mutter wieder glücklich ist, dass sie morgens wieder lacht und fröhlich ist. Paul hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, seine Mutter zu unterstützen, wo es nur geht. So bringt er morgens seine Schwester zur Schule und er kümmert sich um die Einkäufe für die Familie. Und kleine Mahlzeiten kann er ebenfalls schon zubereiten.

Paul ist 11 Jahre alt und er liebt Sport und Fußball. Leider fehlt ihm die Zeit zum regelmäßigen Bolzen und Spielen. Seinem Trainer ist sein Talent nicht entgangen. Der Vater von Sarah und Paul ist Spiegeltrinker. Viele Jahre hatte er seinen Alkoholkonsum ganz gut unter Kontrolle. Seit 1 Jahr ist der Vater arbeitslos und nun trinkt er schon morgens Schnaps und Bier. Die familiäre Situation hat sich nun enorm verschlechtert für Alle.

Es kommt zu Gewaltausbrüchen und exzessiven Trinkgelagen, die oft tagelang anhalten. Sarah zieht sich nun immer mehr in ihre eigenen Welten zurück und Paul musste sich schon 2-mal schützend vor seine Mutter stellen.

Die Situation ist außer Kontrolle geraten.


👉 Kinder in Suchtfamilien entwickeln Rollen:


Die Einnahme einer Rolle passiert unmerklich und unbewußt. Sehr intentiv haben sich, unabhängig voneinander, die amerikanischen Autorinnen Sharon Wegscheider (1988) und Claudia Beck auseinandergesetzt.


Sharon Wegscheider:

  1. Rolle: Der Held

  2. Rolle: Das schwarze Schaf

  3. Rolle: Das stille, verträumte Kind

  4. Rolle: Der Clown

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👉 Paul und die Rolle des Helden:

  • Diese Rolle ist nicht geschlechtsspezifisch.

  • Es sind oftmals die Ältesten in der Geschwisterreihe.

  • Ist der Gute innerhalb der Familie - reguliert somit das Familiengeschehen (sein Vorteil und sein Nutzen).

  • Hilfreich innerhalb der Familie und auch Außerhalb der Familie.

  • Sie sorgen für Anlass der Freude, Stolz und Hoffnung.

  • Überverantwortlich, scheinen selbst keine Probleme zu haben.

  • Suchen sich im Erwachsenenalter oftmals eine*n Partner*in mit Suchtproblematik.

  • Sehr Leistungsfähig, oftmals sehr erfolgreich in Sport und Beruf.

  • Sind häufig in Helferberufen tätig.

Diese ist nur ein kleiner Auszug!


👉 Sarah - das stille/ verträumte Kind:

  • Verschwindet förmlich in der Familie, wird unsichtbar.

  • Macht den Eltern keinen Kummer (ihr Vorteil und ihr Nutzen).

  • In der heutigen Zeit: Rückzug mit Handy und Internet

  • Kann sich gut alleine beschäftigen.

  • Konfliktscheu, hat es ja niemals gelernt durch Rückzug.

Einzelkinder bleibt nichts anderes übrig, bestimmte Anteile von jeder dieser Rolle zu übernehmen.


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Zusamenfassend kann man sagen, dass sich das Aufwachsen in einer Suchtfamilie, sehr wohl negativ auf das Erwachsenenleben auswirken kann.


👉Merkmale von erwachsenen Kindern von Süchtigen:

  • Erhöhte Wachsamkeit - ähnlich wie bei Hochsensiblen Persönlichkeiten.

  • Das Gefühl anders zu sein als die Anderen.

  • Schwierigkeiten mit Spielen und Entspannung.

  • Betroffene suchen sich oftmals eine*n Partner*in mit einer Suchtproblematik, bzw. eine*n Partner*in die nicht Beziehungsfähig sind.

  • Greifen selbst oftmals zu Suchtmitteln.

  • Kontrollwut in sämtlichen Lebensbereichen.


👉 Hilfe für Betroffene:

NACOA Deutschland - Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V

mit Sitz in Berlin.

Alateen gehört zu Al-Anon und arbeitet ebenso wie die Anonymen Alkoholiker mit

dem 12 Schritte Programm.



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© 2020 by Karin Henningsen